CDU-Stadtverband Marl
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Pressespiegel
09.01.2017, 09:57 Uhr
Rosen und Wein für die Helfer
CDU ehrt Marls Flüchtlingsbetreuer / Launiger Neujahrsempfang mit Wolfgang Bosbach
Von Heinz-Peter MohrSTADTKERN. Seinen Vorsatz für 2017 hat CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach bisher nicht gebrochen: „In diesem Jahr hab ich noch keine Zigarette in die Hand genommen.“ Als Nichtraucher lege er die Messlatte für gute Vorsätze aber auch nicht hoch, sagte er augenzwinkernd und erntete den ersten von vielen Lachern beim Neujahrsempfang der CDU im Rathaus.

Wenn der Talkshow-Stammgast zum unterhaltsamen Polit-Rundumschlag ausholt, grenzt das an Kabarett. „Für mich ist er politisches Vorbild“, sagt der Marler Landtagskandidat Patrick Rohmann. „Er zeigt, wie man konservative Positionen charmant verkörpert. Für unser Parlament kann ich mir keinen größeren Verlust vorstellen.“ Wie berichtet, hatte Wolfgang Bosbach seinen politischen Rückzug für das Ende der Legislaturperiode angekündigt (siehe Nachgefragt). Die Popularität von „Merkels Quälgeist“, wie ihn das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ nennt, ist indes ungebrochen. Fast 500 Marler kamen zum Neujahrsempfang, der sogar ins Trauzimmer übertragen werden musste.

Vollblutpolitiker Bosbach kam wegen der Glätte lässig in Sportschuhen („besser als mit Lackschuhen im Graben zu landen“), sprach wie gewohnt ohne Manuskript und spöttelte über die deutsche Mentalität („Für jede Lösung gibt‘s ein Problem“). Dann nahm er die Wahl 2017 ins Visier: „Ich hoffe, dass niemand Klartext mit Hetze gegen Minderheiten verwechseln wird.“ Es sei Blödsinn, dass Politik den Charakter verderbe: „Aber es gibt Charaktere, die Politik verderben. Bei einem abstoßenden Wahlkampf wird die Politik an Vertrauen verlieren.“

In der Flüchtlingsbewegung sieht Wolfgang Bosbach eine gesellschaftliche Herausforderung. Der Satz „Wir schaffen das“ gefalle ihm, weil er Optimismus ausströme, sagte Merkels vermeintlicher Quälgeist. Integration strenge aber auch an: „Es sind nicht nur Ingenieure, sondern auch viele Analphabeten zu uns gekommen.“ Bosbach forderte schnelle Verfahren, die zügige Rückführung abgelehnter Asylbewerber, betonte aber, dass es zur Integration der Flüchtlinge keine Alternative gebe: „Eine fehlgeschlagene Integration wird immer teurer sein als eine gelingende.“

Weil die Behörden ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer überfordert seien, ehrte die CDU Menschen in Marl, die Flüchtlinge betreuen. 130 Marler meldeten sich bisher bei Thomas Freck, dem städtischen Koordinator der Flüchtlingshilfe. Rund 60 von ihnen ehrte die CDU stellvertretend. Patrick Rohmann hob unter anderem die Ski-Zunft hervor, die Menschen aus dem arabischen Raum zur Winterfreizeit ins Sauerland einlud. Viele sahen erstmals in ihrem Leben Schnee.

Nadja Hellmons schilderte im Namen der Helfer ein Beispiel, wie Behörden bisweilen die Geduld der Flüchtlinge und ihrer Betreuer strapazieren.

Seit Jahren kümmern sich Annerose und Fritz Surall um Flüchtlinge aus Eritrea und dem Iran (die MZ berichtete). An Heiligabend luden sie fünf Flüchtlinge zu sich nach Hause ein, um mit ihnen zu feiern. Einem EDV-Experten aus dem Iran besorgten sie einen Computer mit Sprachlernprogramm: „Es kostet zwar Kraft“, erzählt Annerose Surall der MZ. „Aber wir machen es unheimlich gern, es kommt große Dankbarkeit zurück.“ Dass die Bundes-CDU ihren Kurs in der Asylpolitik verschärfen will, war für das Ehepaar kein Grund, der Ehrung in Marl fernzubleiben: „Wir wollen uns niemandem verschließen.“

Auch Thomas Terhorst, seit einem halben Jahr Vorsitzender der Marler CDU, stellte klar, dass seine Partei in Marl das Engagement für Flüchtlinge aus moralischer und christlicher Sicht unterstütze. Allen ehrenamtlichen Helfern spreche sie ein großes Dankeschön aus.

Terhorst präsentierte konzentriert seinen Kurs der neuen Sachlichkeit, blickte nach vorn. Er kündigte an, dass die Marler CDU sich 2017 für eine Ortsumgehung über die Autobahnen 52 und 43 einsetzen werde. Seine Partei wolle über neue Vorrangzonen mitentscheiden, wo in Marl Windräder aufgestellt werden. Eine Erhöhung der Grundsteuer werde sie nicht mittragen. – Nächster Termin für die Stadt-CDU ist ein Kulturparteitag im Frühjahr.